WWF 21.1.

– NACHRICHTEN –

Umstrittener Fahrplan zum Kohleausstieg Die Bundesregierung hat sich mit den Kohleländern auf einen Kohleausstieg geeinigt. Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg haben einem Stillegungspfad zugestimmt. Deutschland soll bis spätestens 2038 aus der klimaschädlichen Stromgewinnung aus Stein- und Braunkohle aussteigen. Die betroffenen Länder erhalten dafür vom Bund 40 Milliarden Euro. Die Betreiber von Kohlekraftwerken bekommen Milliardenentschädigungen für das vorzeitige Abschalten ihrer Anlagen: 2,6 Milliarden Euro für Kraftwerke im Westen Deutschlands, 1,75 Milliarden Euro für die im Osten des Landes. Heftige Kritik an den Plänen kam von den Umweltverbänden und mehreren Mitgliedern der Kohle-Kommission. Sie sehen in den Plänen einen Bruch des Kompromisses für einen fairen Ausgleich zwischen Klimaschutz und Strukturwandel. Sie fürchten, dass der Kohleausstieg verschleppt und wichtige Jahre für den Klimaschutz verloren gehen.
tagesschau.de, zeit.de, dnr.de

Agrar-Demos rund um die Grüne Woche Unter dem Motto „Wir haben es satt!“ haben am Brandenburger Tor in Berlin rund 27.000 Menschen für eine artgerechtere Tierhaltung und die Unterstützung ökologischer Bauernhöfe demonstriert. Das Motto der diesjährigen Kundgebung lautete „Agrarwende anpacken, Klima schützen!“. Auf der Abschlusskundgebung riefen die Demonstrierenden die Bundesregierung auf, sich stärker für kleinere und ökologisch arbeitende Höfe einzusetzen, statt eine Agrarindustrie zu unterstützten, die auf Kosten der Böden, des Grundwassers und der Artenvielfalt gehe. Gegen die Agrarpolitik hatten bereits am Tag zuvor auch zahlreiche konventionelle Landwirte mit einer Sternfahrt protestiert. Mit bis zu 1.000 Traktoren waren sie nach Berlin gekommen. Im Unterschied zur „Wir haben es satt – Demo“ gehen ihnen gehen die Umweltschutz-Vorschriften bereits zu weit. Vor allem die neue Düngeverordnung sehen sie kritisch.
rbb24.de, rbb24.de (Bauernprotest)

China und Malaysia wehren sich gegen Plastik China führt ein Plastikverbot ein. Schon 2018 hatte das Land angekündigt, keinen Plastikmüll aus anderen Ländern mehr annehmen zu wollen. Künftig will man Plastiktüten in Supermärkten und den Einsatz von Einwegprodukten aus Kunststoff in Hotels und Restaurants verbieten. Schon ab Ende diesen Jahres werden in großen Metropolen in Supermärkten und anderen Geschäften keine Plastiktüten mehr herausgegeben. Stattdessen sollen nur noch Beutel aus Stoff, Papier oder anderen abbaubaren Materialien verwendet werden. Malaysia wiederum hat nach eigenen Angaben 4.000 Tonnen Plastikmüll an wohlhabende Länder zurückgeschickt. 43 Container wurden nach Angaben des Umweltministeriums nach Frankreich zurückgesandt, 42 nach Großbritannien, 17 in die USA, elf nach Kanada, zehn nach Spanien und der Rest nach Hongkong, Japan, Singapur, Portugal, China, Bangladesch, Sri Lanka und Litauen. Bis Mitte des Jahres würden weitere 110 Container zurückgeschickt, sagte Malaysias Umweltministerin Yeo Bee Ying.
zeit.de

Weltwirtschaftsforum in Davos sucht grünen Kapitalismus Heute startet in Davos das Weltwirtschaftsforum. Hier dürften noch einmal die Kontraste deutlich werden zwischen Klimaschützern, die radikale Lösungen fordern und Politikern und Unternehmenslenkern, die versuchen müssen, Interessenskonflikte auszutarieren. Zumindest verbal scheint in vielen Führungsetagen angekommen zu sein, dass die Wirtschaft nachhaltiger werden muss. Deutlich wird dies in einem Brandbrief von Larry Fink, dem CEO von Blackrock, der größten Investmentgesellschaft der Welt. Klimaschützer misstrauen den vollmundigen Worten allerdings und haben zahlreiche Proteste angekündigt „Die Mitglieder des WEF tragen eine große Verantwortung für die Klima­krise“, schreibt die Gruppe Strike WEF. Sie beruft sich auf eine Untersuchung des Carbon Accountability Institute aus den USA, derzufolge allein 20 Erdöl-, Gas- und Kohlekonzerne ein Drittel aller globalen Kohlendioxidemissionen verursachten. Einige von ihnen wie Saudi Aramco, Chevron und BP gehören zu den strategischen Partnern des WEF. Sie finanzieren die Veranstaltung und beeinflussen ihre Agenda.
taz.de, br.de

Die unheimliche Macht der NGOs handelsblatt.com
Australien: Erst Feuer, dann Fischsterben theguardian.com
Studie: Weltmeere immer wärmer tagesschau.de
Katar entdeckt Solarenergie handelsblatt.com

– ZAHL DER WOCHE –

119 Milliardäre reisen im Privatjet zum Weltwirtschaftsforum nach Davos, um über Klimaschutz zu debattieren.
derstandard.at

– KOMMENTAR –

Umstieg auf saubere Energien ist ein Akt der Vernunft Michael Bauchmüller von der „Süddeutschen Zeitung“ skizziert für den „Deutschlandfunk“ den geplanten Umbau der Wirtschaft in Europa und die Transformation hin zu sauberen Energien. Er bezeichnet dies als einen „Akt der Vernunft“, der zwar schmerzhaft, aber unumkehrbar sei.
deutschlandfunk.de

– ZITAT DER WOCHE –

Mein Traum ist, dass die gesamte europäische Landwirtschaft bio sein sollte.
EU-Agrarkommissar Janusz Woj­ciechowski will, dass alle Landwirte in der EU auf Ökolandbau umsteigen.
taz.de

– PODCAST oder EVENT-TIPP –

Am 23. Januar kommt der Film „Das Geheime Leben der Bäume“ in die Kinos. Es basiert auf dem gleichnamigen Buch Peter Wohllebens, der die Augen über die verborgene Welt des Waldes öffnet.
rnd.de

– HINTERGRUND –

Artensterben: die Krise des Jahrhunderts Der Evolutionsbiologe Matthias Glaubrecht hat für den „Tagesspiegel“ einen Essay geschrieben, in dem er vor der Gefahr des globalen des Artensterbens warnt. „Gegenwärtig verlieren wir überall auf der Erde auf dramatische Weise Biodiversität – jene biologische Vielfalt auf verschiedenen Ebenen, von der genetischen Zusammensetzung einzelner Populationen, über die Vielfalt der Organismenarten bis hin zu den Lebensgemeinschaften ganzer Ökosysteme.“ Gerade weil viele Tierarten immer noch gar nicht entdeckt seien. Bisher habe es fünf große Massensterben gegeben. Diesmal sei jedoch der Mensch der Astroid. „Allein der Mensch ist es, der das sechste massenhafte Artensterben verursacht – mit ähnlich katastrophalen Ausmaßen und Auswirkungen.“
tagesspiegel.de

Geo-Engineering: Die Ansätze der Klimaklempner Weltweit arbeiten Geo-Ingenieure daran, CO2 aus der Atmosphäre zu ziehen. Climate Engeneering nennt sich dieser neue umstrittene Forschungszweig. Dabei wollen die Wissenschaftler gezielt ins Klima eingreifen, um die Erhitzung zu stoppen. Im Groben unterscheiden Klimaforscher zwei Kategorien: Zum einen gibt es das Carbon Dioxide Removal, kurz CDR – die Kohlendioxid-Entfernung. Diese Methode hat das Ziel, Kohlendioxid aus der Luft zu filtern oder aus den Abgasen von Kraftwerken abzutrennen und es für lange Zeit zu binden. Zur zweiten Kategorie zählen Methoden, die direkt den Wärmehaushalt der Erde verändern – das sogenannte Strahlungsmanagement, englisch: Solar Radiation Management (SRM). Beispielsweise könnten Flugzeuge in der Atmosphäre Partikel verstreuen, die einen Teil der Sonnenstrahlung reflektieren und somit von der Erde fernhalten. Kritiker bezeichnen das Ansinnen, bewusst ins Klima einzugreifen als Hybris.
sueddeutsche.de

Aufforstung nicht immer die Patentlösung Für viele ist die weltweite Aufforstung eines der Patentrezepte im Kampf gegen die Klimakrise. Allerdings hat die Methode manchmal ungewollte Nebenwirkungen auf die Wasserreservoirs. Wissenschaftler in den USA haben 43 Gebiete rund um die Erde unter die Lupe genommen, in denen aufgeforstet wurde, und untersucht, wie sich dies auf die jeweiligen Fließgewässer ausgewirkt hat. Innerhalb der ersten fünf Jahre hatte sich demnach das Wasservolumen in den betroffenen Flüssen um 25 Prozent verringert; nach 25 Jahren betrug der Rückgang sogar im Mittel 40 Prozent. Manche Fließgewässer waren dadurch völlig versiegt. Die stärksten Veränderungen beobachtete man in Australien und im südlichen Afrika.
spektrum.de

– FOTO DER WOCHE –

Jurassic Park in Down Under : In Australien konnte die Feuerwehr mehrere urzeitliche Bäume in letzter Minute vor den Feuern retten. Die Wollemie-Kiefern galten bis 1994 als ausgestorben und nur zufällig wurden noch lebende Exemplare entdeckt.
wwf.de

– TIERISCH –

Stoffbeutel für Koalas Eine 44-Jährige hat ein besonderes Projekt, um Tieren in Australien zu helfen. Seit Jahresbeginn sammelt Gertje Forlong selbstgenähte Stoffbeutel, um sie zu den Auffangstationen für Koalas, Wombats oder Kängurus zu bringen. Über Facebook hat sie einen Aufruf gestartet. Sie suchte Mitstreiter, die wie Forlong einige Beutel in der passenden Größe nähen könnten. Die passenden Schnittmuster hat sie dazu aus Australien erhalten. „Zum Nähen komme ich aber gar nicht“, berichtet die 44-Jährige. Seit dem Aufruf stehe ihr Telefon kaum still. Sie müsse Spender informieren und den Versand der Taschen nach Australien organisieren. „Bisher habe ich schon rund 100 Beutel bekommen. Sehr wahrscheinlich werden es aber um die tausend Stück werden.“
welt.de

– NICHT MEHR GRÜN –

Schluß mit lustig: Schokolade wird knapp Für Naschkatzen könnten schwere Zeiten anbrechen. Denn der Klimawandel könnte auch den Kakaoanbau beeinträchtigen. Schon im Jahr 2030 werden Kakaoproduzenten den weltweiten Bedarf nicht mehr decken können. Bis zu zwei Millionen Tonnen Kakao werden fehlen. In den darauf folgenden 20 Jahren wird der Klimawandel in Westafrika den Anbau zusätzlich erschweren. Schuld daran sind zu lange Trockenperioden, aber auch Schädlinge, die die Baumbestände angreifen. Ohnehin geschwächte Bäume würden einen Befall noch schlechter verkraften. Weltweit leben nach Statistiken der Stiftung World Cocoa Foundation (WCF) rund 50 Millionen Menschen von der Kakaoindustrie. Bräche ihre Lebensgrundlage weg, hätte dies auch Auswirkungen auf die politische Stabilität in den betroffenen Regionen.
spektrum.de