WWF 28. 01.

– NACHRICHTEN –

Immer langsam: ADAC-Widerstand gegen Tempolimit wackelt. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) kritisierte den ADAC, nachdem dessen Vizepräsident, Gerhard Hillebrand, am Freitag mitgeteilt hatte, dass der Verband sich nicht mehr grundsätzlich gegen ein Tempolimit auf Autobahnen stellt. Man wolle sich bei Empfehlungen an die Politik in dieser Frage nicht positionieren. Scheuer, ein erklärter Gegner des Tempolimits, sagte, es könne für den ADAC kein „neutrales Durchlavieren“ geben. Offenbar sind die Mitglieder des ADAC in dieser Frage gespalten. Etwa die Hälfte von ihnen lehnt das Tempolimit ab. Aufgrund der emotionalen Diskussion, auch innerhalb des Verbands, fordert Hillebrand eine Versachlichung und die Erforschung der möglichen Auswirkungen in einer umfassenden Studie. Die Autoindustrie stellt sich momentan noch gegen eine Geschwindigkeitsbegrenzung. In einer Stellungnahme vom Dezember betonte der Verband der Automobilindustrie (VDA), ein Tempolimit nütze weder dem Umweltschutz, noch der Sicherheit auf den Autobahnen.
zeit.de

Corona-Virus: Die Seuche vom Wildtiermarkt. Das Coronavirus breitet sich immer weiter aus. Mittlerweile wurde es auch bei Menschen in Europa und Nordamerika entdeckt. Ausgebreitet hat es sich als erstes in der chinesischen Stadt Wuhan. Es wird davon ausgegangen, dass ein Fischmarkt der Stadt, auf dem auch illegale Wildtiere verkauft wurden, Ausgangspunkt der Krankheit ist. Coronavirus-Infektionen kommen bei Menschen und bei Tieren vor und können von Tier auf Mensch übertragen werden. Die Menschen auf dem Seafood-Markt in Wuhan kamen dort auch mit Wildtieren in Kontakt wie Fledermäuse, Schlangen, Enten, Wildkaninchen und Waschbären, die ebenfalls dort gehandelt werden. Die Tiere sind dort auf engstem Raum gepfercht, was eine Ansteckungsgefahr erheblich steigert. Eine Sars-Pandemie war Anfang der 2000er ebenfalls in China ausgebrochen und hatte sich weltweit verbreitet. Hier gab es aber bereits in den ersten Wochen deutlich mehr Todesfälle als bei dem neuen Coronavirus. Symptome des neuen Virus sind: hohes Fieber, Husten und eine Lungenentzündung. Es ist laut dem Virusforscher Dorsten eine Variante des Sars-Erregers. Offenbar ist der Krankheitsverlauf aber weniger drastisch. Die Betroffenen, die bisher an dem Virus gestorben sind, sollen bereits vorher chronisch krank gewesen sein.
lblog.wwf.de, augsburger-allgemeine.de

Eine Billion Bäume für den Klimaschutz. US-Präsident Donald Trump hat in Davos angekündigt, sich bei einem gigantischen Baumpflanzprojekt zu beteiligen. Das Weltwirtschaftsforum hat die Initiative „1t.org“ gestartet, mit der sie eine Billion Bäume pflanzen will. Damit springen die Initiatoren auf einen Zug auf, der bereits in voller Fahrt ist. Insgesamt gibt es über hundert solcher Projekte, auch vom WWF mit „Trillion Trees“. Wie wirkungsvoll Bäume pflanzen gegen die Klimakrise ist, darüber streiten sich die Experten. Zwar sind Wälder als CO2-Speicher unersetzbar. Allerdings lassen sich Bäume nicht überall gleichermaßen pflanzen. Und an den falschen Orten gepflanzt, richten sie sogar mehr Schaden als Nutzen an, beispielsweise durch das Senken des Grundwasserpegels.
sueddeutsche.de

Staatsknete für Tesla?: Aus deutschen Regierungskreisen wurde bekannt, dass Tesla Subventionen des Bundes für die Batteriezellfertigung und -forschung in Deutschland beantragt hat. Laut Wirtschaftsministerium stehen die Subventionen grundsätzlich auch für außereuropäische Unternehmen zur Verfügung. Die Subventionen, für die sich Tesla bewirbt, sind Teil eines sogenannten IPCEI-Projekts (Important Projects of Common European Interest). Die EU-Kommission hatte im Dezember 2019 ein erstes solches Projekt genehmigt. Die beteiligten EU-Staaten dürfen nun die Beihilfen verteilen. Das Wirtschaftsministerium arbeitet momentan an einem zweiten Projekt zur Batteriezellfertigung, an dem neben Deutschland weitere 13 EU-Mitgliedstaaten beteiligt sind und das mehr als 55 Unternehmen umfasst, darunter offenbar auch Tesla. Das Projekt soll Anfang dieser Woche finalisiert werden. Beteiligte Unternehmen unterstehen den gleichen Anforderungen und müssen sich laut dem Ministerium „ebenso in das IPCEI integrieren und mit anderen Unternehmen und Institutionen zusammenarbeiten“. Das Wirtschaftsministerium will für beide IPCEI-Projekten bis zu 1,5 Milliarden Euro auszahlen.
zeit.de, handelsblatt.com

Schuldenreport 2020: Klimawandel könnte teuer werden Der Klimawandel wird in vielen Ländern die Schuldenkrise verschärfen. Das geht aus dem Bericht zur Verschuldungssituation von Entwicklungs- und Schwellenländern hervor, der jährlich vom deutschen Entschuldungsbündnis erlassjahr.de und dem Werk für Entwicklungszusammenarbeit Misereor erstellt wird. Durch den Klimawandel immer häufiger und heftiger auftretende Wetterextreme wie Wirbelstürme, Starkregen und Dürren stellten demnach eine besondere Gefahr für Menschen in hoch verschuldeten Ländern dar. Die größten Einbußen beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) seien einer Studie österreichischer Forscher im Fachblatt „Environmental Research Communication“ zufolge in China, Indien und Kanada zu erwarten. Die beiden Organisationen fordern daher eine Entschuldungsinitiative für die betroffenen Länder. Direkt nach einer Naturkatastrophe sei ein automatischer Stopp der laufenden Schuldenzahlungen nötig. Daran anschließend müssten Verhandlungen über die Forderungen möglichst aller Gläubiger aufgenommen werden, um die Verschuldung auf ein tragfähiges Maß zu senken.
tagesschau.de, derstandard.at

Grüne Woche: Gräben in der Agrarwirtschaft rbb24.de.de
Greenpeace-Proteste gegen Billigfleisch im Supermarkt moz.de
Kurzmeldung 3 link.de
Kurzmeldung 4 link.de
Kurzmeldung 5 link.de

– ZAHL DER WOCHE –

160 neue Offshore-Windkraftanlagen mit einer Leistung von 1,11 Gigawatt gingen 2019 ans Netz. Alle Anlagen wurden in der Nordsee errichtet.
faz.net

– KOMMENTAR –

Der Irrsinn von Datteln Arvid Kaiser lässt in seinem Kommentar für das „Manager Magazin“ kein gutes Haar an der Entscheidung, das Kratwerk Datteln 4 im Rahmen des Kohleausstiegs ans Netz zu nehmen. „Nahezu alle Beteiligten, außer den Kraftwerksbeschäftigten in Datteln und dem dortigen Stadthaushalt, stehen als Verlierer da. Datteln 4 ist ein Relikt, eine Zombie-Investition.“ Der Einsatz des Kohlekraftwerks käme schlicht zu spät.
manager-magazin.de

– ZITAT DER WOCHE –

Blutige Grätsche in der Nachspielzeit„, nennt Felix Matthes vom Öko Institut und Mitglied der Kohlekommission die von Wirtschaftsminister Altmaier in Aussicht gestellten Milliarden-Entschädigungen für den Kohelkonzern LEAG, die praktisch ohne Gegenleistung erfolgen solle.
spiegel.de

– PODCAST oder EVENT-TIPP –

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link.de

– HINTERGRUND –

Kernkraft: Fankreichs Einstieg in den Ausstieg. Kein Land in Europa besitzt so viele Atomkratwerke wie Frankreich. Nun zeichnet sich auch in Frankreich allmählich ein Ende der Atomkraft ab. Das Land plant, 14 Kraftwerke bis zum Jahr 2035 abzuschalten, bei gleichzeitigem Ausbau von Offshore-Wind- und Biogasanlagen. Das geht aus einem Entwurf eines Programms des französischen Umweltministeriums hervor. Die Schließung der französischen Kohlekraftwerke ist bereits für das Jahr 2021 vorgesehen. Grund für die Abschaltung ist, dass viele der insgesamt 58 Meiler in den kommenden Jahren ihre Höchstlaufzeit von 40 Jahren erreicht haben werden. Im Bau befindet sich jedoch nur ein Atomkraftwerk in Flamanville, das mit großer Verspätung 2022 ans Netz gehen soll. Dank insgesamt sechs genehmigter Offshore-Windanlagen rechnet Frankreich mit einer erzeugten Leistung von 2.400 MW für das Jahr 2023. 2028 sollen dann sogar 5.200 bis 6.200 MW produziert werden. Im Bereich Biogas liegt das Ziel im Jahr 2028 zwischen 24 und 32 Milliarden Mrd. kWh. Schon jeztt profitiert der französische Stromerzeuger Albioma, der sich auf Biogas und Solarenergie spezialisiert hat. Dessen Aktie stieg 2020 von 25,95 Euro auf rund 30 Euro.
iwr.de

Coca Colas Vorliebe für Plastik. Coca Cola gibt sich nach außen hin zwar immer häufiger umweltfreundlich. Das Unternehmen brachte im letzten Jahr eine Flasche auf den Markt, die zu einem Teil aus Plastik besteht, das aus Meeren stammt. Umweltorganisationen wie Greenpeace kritisieren den Getränkehersteller jedoch trotzdem für seinen immensen Plastikverbrauch. Über 200.000 Einweg-Flaschen produziere der Konzern allein pro Minute. Mit einem Marktanteil von 50 Prozent in Österreich und über 300.000 Flaschen, die stündlich in einem Werk im Burgenland hergestellt werden, ist der Konzern damit laut Greenpeace hauptverantwortlich für in der Natur entsorgte Flaschen. Um die plastikintensive Produktion beibehalten zu können, betreibe Coca Cola Lobbying, zum Beispiel gegen Abfallgesetze, Pfandysteme , Recylcling- und Mehrwegquoten. 2018 gab der Konzern in der EU etwa 950.000 Euro für Lobbyismus aus. Während in Österreich die PET-Mehrwegflasche vor über zehn Jahren vom Markt genommen wurde, liegt der Anteil in Deutschland um einiges höher. Immerhin 39,9 Prozent der Flaschen zählten hier 2018 zu den Mehrweg-Plastik- oder Glasflaschen.
derstandard.at

Nouvelle Cuisine: weniger Fleisch auf deutschen Tellern. Eine Studie von Nielsen mit 11.000 Teilnehmern kommt zu dem Ergebnis, dass viele Deutsche ihr Konsumverhalten aufgrund von Tierwohl und Klimaschutz geändert haben. Für 61 Prozent der Verbraucher ist das Tierwohl beim Einkauf wichtig. Auch achten rund 60 Prozent auf den Umweltschutz. Im Vergleich zu einer Befragung vor drei Jahren zeige sich eine Veränderung, die laut Birgit Czinkota, Senior Client Consultant bei Nielsen, mehr als nur ein kurzfristiger Trend ist. Auch bei Plastikverpackungen hätten die Deutschen ihr Konsumverhalten verändert. Achteten vor drei Jahren nur 61 Prozent der Verbraucher darauf, weniger Plastik einzukaufen, so sind es nun schon 71 Prozent. Laut Czinkota liege dies vor allem an den Skandalen und Medienberichten der vergangenen Zeit über Mikroplastik oder Plastik in den Meeren. Trotz der guten Absichten, hapert es noch in der Umsetzung. So handelt es sich laut Greenpeace bei 88 Prozent des im Verkauf angebotenen Fleischs um Produkte, die mit den Haltungsformen 1 oder 2 gekennzeichnet sind und damit klimaschädlich und oft tierschutzwiedrig. Das wichtigste Kriterium ist für die deutschen Konsumenten trotz Tierwohl und Umweltschutz allerdings weiterhin der Preis eines Produkts. Für 74 Prozent der Befragten ist dies der Fall.
handelsblatt.com

– FOTO DER WOCHE –

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Sehr cool: Der Ausdauer-Schwimmer Lewis Pugh ist als erster Mensch unter dem antarktischen Eis geschwommen. Die 10 Minuten im Wasser, das eine Temperatur von knapp 0 °C hatte, absolvierte der Sportler ohne Hilfsmittel und nur in seiner Badehose. Pugh will mit der Aktion auf den Klimawandel und die drastischen Folgen für die Antarktis hinweisen.
link.de

– TIERISCH –

Australien: Nach den Feuern, jetzt die Giftspinnen. Nach den wochenlangen Feuern und den darauffolgenden Starkregen, muss sich Australien wohl auf eine neue Unannehmlichkeit gefasst machen: die Trichternetzspinne. Die hochgiftige Spinne ist rund um Sydney beheimatet. Das Wetter bietet derzeit ideale Bedingungen für die Spinne. Der Regen und die warmen Temperaturen veranlassen die männlichen Spinnen auf Paarungssuche zu gehen. Jedes Jahr werden 30 Menschen von den Spinnen gebissen. Durch ein effektives Gegengift, ist seit den 1980er Jahren jedoch niemand mehr daran gestorben.
stern.de

– NICHT MEHR GRÜN –

Harte Zeiten für Monarchfalter. Für die Monarchfalter in Kalifornien wird es immer ungemütlicher. 2019 hatte der Bestand des Schmetterlings zum zweiten Mal hintereinander ein historisches Tief. Beobachter sorgen sich, dass der gesamte Bestand in Gefahr sein könnte. Nicht einmal 30.000 wurden gezählt. 1997 lag die Zahl noch bei 1,3 Milliarden. Den Faltern setzt vor allem der Rückgang seiner Rückzugsorte zu. Durch das systematische Beschneiden von Bäumen, auch in privaten Gärten, finden die Falter immer weniger Futterstätten und Behausungen für die Wintermonate.
mercurynews.com