– NACHRICHTEN –
Vollbremsung: Industrie will Klimaschutz aussetzen. Wegen der Corona-Pandemie fordern verschiedene Wirtschaftszweige, Klimaschutzmaßnahmen auszusetzen. Verbände und Konzerne aus der Autoindustrie verlangten von der EU-Kommission, geplante strengere Vorgaben zu stoppen. Hildegard Müller, die Präsidentin des Branchenverbands VDA, sagte, nun sei nicht die Zeit, „über weitere Verschärfungen bei der CO₂-Regulierung nachzudenken“. Die EU-Kommission wiegelt jedoch ab. Der europäische Green Deal werde weiterhin von den Regierungen als wichtiger Faktor gerade für die Zeit nach der Corona-Krise betrachtet. Auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) stellte neue Forderungen. Da die Strompreise aufgrund der Corona-Krise in der letzten Zeit stark fielen, rechnet der DIHK für das nächste Jahr mit fehlenden Einnahmen auf dem EEG-Konto in Höhe von rund 1,7 Milliarden Euro. Um diese auszugleichen, forderte der Verband nun Zuschüsse für energieintensive Unternehmen. Da die CO2-Emmissionen im Zuge der Pandemie stark zurückgegangen seien, forderte der DIHK außerdem, Klimaschutzmaßnahmen auszusetzen. Umwelt-Experten kritisierten die Forderungen des DIHK. Die Emissionen würden nach der Krise aller Wahrscheinlichkeit wieder ansteigen. Ein Stopp der Maßnahmen sei daher nicht zielführend.
sueddeutsche.de, klimareporter.de
Waldbrand bei Tschernobyl. In der Nähe des ehemaligen Atomkraftwerks von Tschernobyl kam es zu einem Waldbrand. Inzwischen soll eine Fläche von 100 Hektar brennen. Das Feuer sei laut ukrainischer Rettungsdienste zwar unter Kontrolle und in der Luft sei keine erhöhte Radioaktivität gemessen worden. Im Zentrum des Brandes habe sich die Radioaktivität jedoch erhöht, so Jegor Firsow, Leiter des staatlichen Umweltinspektionsdienstes. Zuvor meldeten die Behörden, dass es wegen der Radioaktivität Schwierigkeiten beim Löschen der Brände gebe. Nach dem Reaktorunglück vor 34 Jahren ist die nahe Umgebung weiterhin verstrahlt.
Klimagipfel in Glasgow abgesagt. Wegen des Coronavirus wurde der für den November geplante Weltklimagipfel COP26 in Glasgow abgesagt. Wegen den Auswirkungen der Pandemie sei es nicht möglich, “ eine ehrgeizige, inklusive COP26 im November 2020 abzuhalten“, so die britische Regierung, die zu den Veranstaltern gehört. UN-Klimasekretärin Patricia Espinosa sagte, die Verschiebung sei unvermeidlich. Auf lange Sicht sei die Bedrohung durch den Klimawandel jedoch weitaus größer. Beim diesjährigen Klimagipfel hätten eigentlich die im Pariser Abkommen vereinbarten Emissionsziele nachgebessert werden sollen. Die Veranstalter einigten sich darauf, den Gipfel im kommenden Jahr abzuhalten.
dw.com
Zoonosen: Die Killer aus dem Dschungel. Als Zoonosen werden Krankheitserreger bezeichnet, die von Wild- und Haustieren auf Menschen übertragen werden. Einem Bericht des WWF zufolge, könnte die Übertragung solcher Krankheiten im Zuge der Umweltzerstörung zunehmen. Studien in Brasilien hätten beispielsweise gezeigt, dass ein Zusammenhang zwischen Waldrodungen und Malaria-Infektionen bestehe. So führe eine Abholzung von vier Prozent des Waldes zu einer fast 50-prozentigen Zunahme der Malariafälle. Der WWF fordert von der Bundesregierung daher, sich gegen die weltweite Abholzung der Wälder einzusetzen und vielfältige Lebensräume zu erhalten . Auch solle die Regierung Schwellenländer unterstützen, um Wildtiermärkte zu schließen, die als häufiger Übertragungsort für Krankheitserreger gelten. Dies sei auch im Sinne der nationalen Gesundheitsvorsorge. Laut einer WWF-Umfrage in fünf asiatischen Ländern, würde die dortige Bevölkerung mit über 90 Prozent einer Schließung der Wildtiermärkte zustimmen.
mz-web.de
Atomausstieg wegen Corona ndr.de
Entwischt. Wolfsjagd abgeblasen taz.de
Kritik am Fischsiegel MSC wwf.de
Kurzmeldung 4 link.de
Kurzmeldung 5 link.de
– ZAHL DER WOCHE –
Ausbaufähig: 236 Eier im Jahr essen die Deutschen im Schnitt pro Jahr, davon stammen 11 Prozent aus Biohaltung.
link.de
– KOMMENTAR –
Eberhard Brandes plädiert in einem Gastkommentar für die Frankfurter Rundschau dafür, die Natur als Bollwerk gegen Pandemien zu stärken. Die Zerstörung der Umwelt insbesondere der Wälder mache die Verbreitung von Krankheiten sehr viel einfacher. Durch die Zerstörung natürlicher Ökosystemen, den Verlust an biologischer Vielfalt und den illegalen Wildtierhandel sei nicht nur nicht nur die Gesundheit unseres Planeten, sondern auch unsere eigene Gesundheit in Gefahr. Darüber müsse der illegale Widtierhandel ein dringend stärker bekämpft werden.
fr.de
– ZITAT DER WOCHE –
„Die Natur sendet uns eine Botschaft. Der Druck auf unsere natürlichen Systeme ist zu stark. Wir sind eng mit der Natur verbunden, ob wir sie mögen oder nicht. Wenn wir uns nicht um die Natur kümmern, können wir uns nicht um uns selbst kümmern. Und während wir auf eine Bevölkerung von 10 Milliarden Menschen auf diesem Planeten zurasen, müssen wir mit der Natur als stärkstem Verbündeten bewaffnet in diese Zukunft gehen.“
Inger Andersen, die Exekutivdirektorin des Umweltprogramms der Vereinten Nationen.
theguardian.com
– PODCAST oder EVENT-TIPP –
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link.de
– HINTERGRUND –
Norwegen bietet CO2-Speicher an. Norwegen plant, unter dem Namen „Northern Lights“ ein neues Geschäftsmodell zu entwickeln. Dank der Technologie des Carbon Capture and Storage (CCS) könnte CO2 aufgefangen und vor der norwegischen Küste im dortigen Gestein gelagert werden. Damit könnte es europäischen Staaten ermöglicht werden, Treibhausgase, die unvermeidlich in der Industrie anfallen, künftig an Norwegen abzugeben. Das Gas würde dann mit Schiffen in den Norden transportiert werden, um dann per Pipeline dauerhaft in 2500 Meter Tiefe gelagert zu werden. Das CO2 löst sich dort zu einem kleinen Teil im Wasser. Der Rest würde mit dem Gestein reagieren und durch Mineralisierung selbst zu Stein werden. In Norwegen rechnet man damit, durch die Technologie die Treibhausgase Europas für die nächsten 300 bis 400 Jahre speichern zu können. Auch der Weltklimarat verspricht sich vom CCS einen Beitrag zur Begrenzung der Klimaerwärmung.
zdf.de
Wiedervernäßte Moore: je eher desto besser. Trockengelegte Moore tragen weltweit zu rund fünf Prozent der CO2-Emissionen bei. Sie sind damit ein wichtiger Faktor für die Klimaerwärmung. Um das CO2-Budget einzuhalten, dass die Klimaerwärmung auf zwei Grad begrenzen soll, könnten trockene Moore wieder vernässt werden. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Universität Rostock. Um den Klimaschutz möglichst effizient zu gestalten, sollten möglichst viele Moore so früh wie möglich vernässt werden. Denn nach der Vernässung, fängt ein Moor wieder an, Methan freizusetzen. Dieses hat zwar eine höhere Treibhauswirkung als CO2, verschwindet allerdings auch schneller aus der Atmosphäre. Würde man mit der Vernässung der Moore noch länger warten, würde nicht nur länger CO2 freigesetzt werden, das dann entstehende Methan würde die dann schon aufgeheizte Welt zusätzlich treffen.
spektrum.de
Die Natur schlägt zurück. Im Interview spricht die Biologin Simone Sommer über den Einfluss, den der Mensch auf die Entstehung von Pandemien hat. Fledermäuse seien wegen ihres Immunsystems zwar besonders oft Träger von Viren, die Übertragung des Coronavirus sei jedoch durch Menschen auf dem Huanan wet market ermöglicht worden. Die Biologin geht davon aus, dass mit der Zerstörung der Umwelt die Infektionswahrscheinlichkeit von Wildtieren steigt. Durch die Abholzung der Wälder ändern sich die Ökosysteme, was zu einer geringeren Biodiversität führen würde. Einige Tierarten sterben aus, während andere sich gut anpassen können. Mutationen von Viren, die potenziell gefährlich für Menschen sein können, würden dann wahrscheinlicher. Außerdem würden sogenannte Generalisten, also Tiere, die sich besonders gut anpassen, eher die Nähe von Menschen suchen, was die Übertragung von Krankheiten wahrscheinlicher macht.
taz.de
Fisch mit Brief und Siegel. Inzwischen gibt es in Deutschland einige Siegel, die die Herkunft, Haltung und Nachhaltigkeit bei Fischen aus Aquakulturen nachweisen sollen: Das grüne, staatliche EU-Bio-Siegel, das blaue MSC-Siegel, das vom WWF und der niederländischen Initiative für nachhaltigen Handel gegründet wurde und das Naturland-Siegel des Anbauverbands Naturland. Während es das EU-Siegel und das MSC-Siegel zulassen, das Fische teilweise mit Fischmehl oder -öl gefüttert werden, was nicht im Sinne der Nachhaltigkeit ist, ist dies beim Naturland-Siegel nicht der Fall. Das MSC-Siegel erlaubt außerdem das Füttern mit gentechnisch verändertem Soja. Beim Naturland-Fisch handelt es sich deshalb um das Produkt mit den strengsten Vorgaben. Im Vergleich zu Fisch ohne Siegel sind die Produkte mit EU- oder MSC-Siegel trotzdem deutlich nachhaltiger.
swrfernsehen.de
– FOTO DER WOCHE –
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link.de
– TIERISCH –
Tiger mit Corona. In einem Zoo in New York wurde ein Tiger positiv auf das Coronavirus getestet. Das vierjährige Weibchen Nadia hatte sich vermutlich bei einem Pfleger angesteckt. Auch sechs weitere Großkatzen würden Virussymptome zeigen, so die Betreiber des Zoos im Stadtteil Bronx. Eine erhöhte Temperatur sei zwar nicht gemessen worden, die Tiger und Löwen hätten jedoch trockenen Husten und Anzeichen von Atembeschwerden und Appetitlosigkeit gezeigt. Trotzdem rechnet der Zoo mit einer Genesung aller Tiere, denen es inzwischen gut gehe. Die Infektion des Tigers ist die erste nachgewiesene Erkrankung eines Tigers mit dem Coronavirus. Eine Studie hatte kürzlich nachgewiesen, dass sich vor allem jüngere Katzen, mit dem Coronavirus anstecken können. Eine Übertragung auf den Menschen durch Katzen ist nicht ausgeschlossen. Hunde sind hingegen kaum Anfällig für das Virus.
tagesschau.de, scinexx.de
– NICHT MEHR GRÜN –
Weniger dicke Eier: Neues von den norddeutschen Nandus. Bei der diesjährigen Frühjahrszählung der Nandus wurden 247 Tiere gesichtet. Das ist ein Drittel weniger als im Jahr zuvor, als die Ranger des Biosphärenreservates Schaalsee und deren Helfer 362 Nandus zählten. Die Landwirte der Umgebung vermuten jedoch, dass die Population nicht abgenommen hat. Die Vögel hätten sich wegen der Abschüsse im letzten Jahr nur auf ein größeres Gebiet verteilt, so Petra Böttcher, Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes Nordwestmecklenburg. Die seltenen Nandus entkamen zwischen 1999 und 2001 aus einer Privattierhaltung in Norddeutschland und haben sich seitdem dort verbreitet. Die Population ist die einzige wild lebende in Europa.
zeit.de