– NACHRICHTEN –
Autogipfel: Kaufprämien schwer umstritten. Um die Wirtschaft nach der Corona-Krise wieder anzukurbeln fordert die deutsche Automobilindustrie Prämien für den Kauf neuer Autos. Mehrere Bundesländer unterstützen diese Forderung auch für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren. Die SPD will die Prämie hingegen mit einer Transformation der Branche verbinden. So sagten die SPD-Politiker Sören Bartol, Matthias Miersch und Achim Post: „“Eine Abwrackprämie, die Technologien aus dem letzten Jahrhundert fördert, löst keine Probleme von Morgen“. Für den Parteivorsitzenden Norbert Walter-Borjans kommt die Diskussion über die Kaufprämie ohnehin zu früh. Verbraucher wüssten derzeit nicht, ob sie sich in einem Jahr überhaupt ein Auto leisten könnten. Die Linke und die FDP sehen die Kaufprämie für Autos mit Verbrennungsmotor ebenfalls kritisch. Schon die Umweltprämie für Elektroautos sei wirkungslos gewesen, sagte FDP-Fraktionschef Frank Sitta. Auch der Energieexperte Dieter Seifried stellt sich gegen eine Kaufprämie. Anreize, die klimaschädliche Fahrzeuge miteinbeziehen, würden der Glaubwürdigkeit der Klimapolitik schaden. Hinzu käme, dass es kaum ein Auto aus deutscher Produktion gibt, dass für seine Umweltfreundlichkeit gefördert werden könne. Die großen Autokonzerne hätten kein einziges Fahrzeug im Angebot, das den Klimavorgaben der EU entsprechen würde.
afp.com, klimareporter.de, berliner-zeitung.de
Erdüberlastungstag: Kapitalismuskritik vom Entwicklungsminister. Entwicklungsminister Gerd Müller fordert anlässlich des sogenannten des „Erdüberlastungstags“ eine Abkehr vom derzeitigen kapitalistischen System: „Der Immer-Weiter-Schneller-Mehr-Kapitalismus der letzten 30 Jahren muss aufhören“. „Wenn wir unser Leben in Übereinstimmung mit der Schöpfung leben würden, gäbe es den Erdüberlastungstag nicht“, so Müller weiter. Die derzeitige Krise sieht Müller als „Weckruf an die Menschheit, mit Natur und Umwelt anders umzugehen“. Die Zerstörung der Umwelt habe dazu beigetragen, dass sich das Coronavirus ausbreiten konnte. Müller prangerte den deutschen Ressourcenverbrauch an, unter dem insbesondere die armen Länder leiden würden. Vor allem die Abholzung der Regenwälder, um Palmöl und Soja zu produzieren müsse man stoppen. Deshalb forderte der Entwicklungsminister: „Wer künftig Soja oder Palmöl importieren will, der muss den Nachweis erbringen, dass der Anbau nicht auf gerodeten Waldflächen erfolgt ist“. Der Erdüberlastungstag zeigt jährlich, wann theoretisch die Ressourcen der Erde für das Jahr aufgebraucht sind. In diesem Jahr war er am 3. Mai.
rp-online.de
Massentierhaltung als potenzieller Seuchenherd. Sowohl die Schweinegrippe als auch die Vogelgrippe konnten sich aller Wahrscheinlichkeit aufgrund der Massentierhaltung verbreiten. Viren, die bei den Tieren in natürlicher Form vorkommen, mutieren dort so, dass sie auch den Menschen bedrohen. Eine Studie von Wissenschaftlern zeigt, dass die absolute Mehrheit solcher gefährlicher sogenannter „Konversionsereignisse“ in der Massentierhaltung geschehen. Während eine Pandemie, wie sie das Coronavirus verursacht hat, durch die Einschränkung des menschlichen Kontakts mit Wildtieren verhindert werden könnte, wird die industrielle Landwirtschaft und damit die Massentierhaltung massiv von der Politik subventioniert. Das Virus H5N1, das unter dem Namen Vogelgrippe bekannt wurde, hatte eine Sterblichkeitsrate von 60 Prozent. Zwar kam es in diesem Fall nicht zu einer globalen Pandemie, das Risiko eines ebenso gefährlichen Virus, das sich leichter überträgt, bleibt jedoch, so lange die Massentierhaltung in ihrer jetzigen Form bestehen bleibt.
freitag.de
Wasserstoff: In der Warteschleife. Wasserstoff spielt eine große Rolle bei der Erzeugung umweltfreundlicher Energie. Bislang konnte sich die Bundesregierung jedoch nicht auf eine geeignete Strategie einigen, um den Aufbau der Wasserstoffwirtschaft zu fördern. Bereits im Januar gab es den ersten Entwurf für ein entsprechendes Strategiepapier. Es wurde bislang noch nicht vom Bundeskabinett verabschiedet, da die verschiedenen Ressorts unterschiedliche Meinungen über die Umsetzung der Strategie vertreten. Während das Verkehrsministerium unter Minister Andreas Scheuer Wasserstoff auch für den Antrieb von Pkw nutzen will, wollen die anderen Ressorts bevorzugt auf die Verwendung in der Luftfahrt, der Industrie und im Schwerlastverkehr. Forschungsministerin Anja Karliczek warnte vor weiteren Verzögerungen: „Trotz Corona-Pandemie dürfen wir beim Thema Wasserstoff nicht noch mehr Zeit verlieren“. Das Papier solle möglichst noch im Mai beschlossen werden. Die zuständigen Staatssekretäre konnten sich bei einem Treffen immerhin in einigen Punkten näherkommen. So könnte grüner Wasserstoff bei Pkws eingesetzt werden, jedoch erst, nachdem die Schwerindustrie und der Schwerlastverkehr bedient wurden. Auch im Streitpunkt um die Menge an grünem Wasserstoff, die produziert werden soll, könnten sich Forschungs- und Wirtschaftsministerium geeinigt haben.
spiegel.de
Groko streitet über Klimaziele . SPD und Union streiten sich momentan über die Anhebung des EU-Klimaschutzziels für das Jahr 2030. Während die SPD unterstützt von Angela Merkel die Reduzierung der Treibhausgase um 50 bis 55 Prozent fordert, mahnt die CDU zur Zurückhaltung. „Man darf sich schon die Frage stellen, ob eine Zielverschärfung angesichts der Coronakrise opportun ist“, so Unionsfraktionsvize Georg Nüßlein (CSU). Deutschland würde die Folgen der neuen Klimaziele nicht verkraften. Als großer Industriestaat läge der Anteil Deutschlands dann statt bei 55 Prozent bei 64 bis 68 Prozent. Stattdessen fordert Nüßlein eine Anrechnung von Maßnahmen zur CO2-Reduktion in Drittstaaten. Auch „Der Einsatz klimaneutraler synthetischer Kraftstoffe“ solle auf die CO2-Bilanz angerechnet werden können. Die SPD-Politiker Bernd Westphal und Johann Saathoff kritisieren die Haltung der Union in einem Positionspapier. Sie fordern, „Klimaschutz und nachhaltige wirtschaftliche Wiederbelebung klug zu verbinden“. Deutschland brauche Investitionsprogramme, um den Klimaschutz voranzutreiben und gleichzeitig den Industriestandort Deutschland zu erhalten. Das Potenzial der Klimapolitik würde von der Union blockiert, „weil sie weiter an unsinnigen bundesweiten Abstandsregeln für Windenergie an Land festhält“.
handelsblatt.com
Kurzmeldung 1 link.de
Schlaue Schweine nutzen Werkzeuge nationalgeographic.com
Bolsonaro feuert Umweltpolizisten spiegel.de
Niedersachsen: Volksbegehren für Artenvielfalt braunschweiger-zeitung.de
Großstadtdschungel: Corona treibt Tiere in die Stadt blog.wwf.de
– ZAHL DER WOCHE –
Nicht ganz dicht: 60 Prozent der Österreicher halten das Ozonloch für die Hauptursache des Treibhauseffekt.
derstandard.at
– KOMMENTAR –
Kommentar Summary. Text
sueddeutsche.de
– ZITAT DER WOCHE –
„Was nützt uns eine Wissenschaft, die in der Lage ist Vorhersagen zu machen, wenn wir dann lediglich dazu bereit sind abzuwarten, bis diese Vorhersagen eingetreten sind.“
Klimaforscher Stephan Rahmsdorf bei „Klartext Klima“.
youtube.com
– PODCAST oder EVENT-TIPP –
ÜberLeben Folge 5: Brennende Probleme: Der Wald, das Feuer und die Dürre
ueberleben.podigee.io
– HINTERGRUND –
Pakistan: Aufforstung gegen Corona. Vor allem ärmere Menschen sind in Pakistan derzeit von der Corona-Krise bedroht. Mehr als 20 Millionen Menschen sind dort aufgrund der aktuellen Lage arbeitslos. Die Regierung hat nun ein Programm gestartet, dass sowohl den Menschen, als auch dem Umweltschutz helfen soll. Schon 2018 rief Pakistans Ministerpräsident Imran Khan ein Programm aus, durch das innerhalb der nächsten fünf Jahre zehn Milliarden Bäume gepflanzt werden sollen. Nachdem das Programm wegen der Corona-Krise zwischenzeitlich unterbrochen wurde, pflanzen nun fast 70.000 Menschen, die durch die Krise ihre Arbeit verloren, Bäume. Die Arbeiter erhalten dafür längere Ausgangsgenehmigungen. Auch Lastwagenfahrer, die die Setzlinge transportieren erhalten eine Sondergenehmigung. Dabei soll darauf geachtet werden, dass die Pflanzer Masken erhalten und Abstandsregeln einhalten. Die Teilnehmer bekommen für ihre Arbeit rund 500 Rupien (2,83 Euro) pro Tag, was dem gesetzlichen Mindestlohn entspricht.
faz.net
Corona infiziert die Mobilität. Welchen Effekt die Corona-Pandemie auf die Mobilität haben wird, ist derzeit noch nicht abzusehen. Kurzfristig sorgt die Krise dafür, dass deutlich weniger Autos auf den Straßen unterwegs sind. Andreas Knie, Professor und Mobilitätsforscher vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, sieht in der Krise eine Chance und fordert eine Neuverteilung des innenstädtischen Raums. Erste Anzeichen für solche Maßnahmen gibt es bereits in Berlin. Dort wurden in den letzten Wochen rund 15 Kilometer neue temporäre Radwege geschaffen. Knie freut sich, dass diese Radwege von einer breiten Schicht der Bevölkerung akzeptiert werden: „Ich denke, dass die Menschen während der Corona-Zeit sensibler und toleranter sind, wenn es um Maßnahmen geht“. Ginge es nach Berlins grüner Verkehrssenatorin Regine Günther, sollen die Radwege zu einer dauerhaften Lösung werden. Andere deutsche Städte schauen mit Wohlwollen auf die Berliner Maßnahme und wollen diese nachahmen. Was den öffentlichen Nahverkehr mit Bahn und Bus betrifft, machen sich viele Verantwortliche hingegen Sorgen. Die Skepsis im Zuge einer Ansteckungsgefahr könnte sich auch nach der Corona-Krise halten und dafür sorgen, dass viele Menschen künftig das Auto bevorzugen. So sagt Anjes Tjarks, Fraktionschef der Hamburger Grünen: „Die Frage wird sein, ob der öffentliche Nahverkehr in absehbarer Zeit wieder zu alter Stärke zurückfindet. Wir müssen jetzt schauen, was die Maskenpflicht hier bewirkt“.
welt.de
Harz: Der Berg der toten Bäume. Die Bäume auf dem Brocken, dem höchsten Berg Norddeutschlands leiden unter einer Borkenkäferplage. So viele der Bäume sind tot und trocken, dass die Landesfeuerwehr Sachsen-Anhalt nun ankündigte, im Fall eines Brands nicht löschen zu wollen. „Wenn man hier die großen Hanglagen sieht, ist es unverantwortlich, hier irgendwelche Leute hinzuschicken und zu versuchen, da irgendwelche Löscharbeiten durchzuführen“, so Präsident Kai-Uwe Lohse. Der Brocken ist besonders betroffen von der Borkenkäferplage. Der Käfer hat sich inzwischen in drei Vierteln des Harzes ausgebreitet. Hinzu kommt, dass sich die Temperatur auf dem Brocken in den letzten hundert Jahren um mehr als zwei Grad erhöht hat.
n-tv.de
– FOTO DER WOCHE –
Sie sind noch da: Die schneebedeckten Gipfel des Himalaja. Seit 30 Jahren waren sie auch von der nordindischen Stadt Saharapur wieder zu sehen, weil die Luftverschmutzung in Zeiten von Corona zurückgegengen ist.
timesofindia.indiatimes.com
– TIERISCH –
Verlierer der Pandemie: Kopfläuse. Die gemeine Kopflaus lebt bevorzugt in Kinderhaaren. Da diese wegen der Corona-Pandemie derzeit meist nicht in die Schule gehen und generell weniger Kontakt untereinander haben, könnte die Population der Läuse kurzfristig zurückgehen. Im Interview sagt der Parasitologe Heinz Mehlhorn, dass sich die Kopflaus nun besonders in den Familien ausbreiten könnte. Dass die Läuse aussterben könnten, schließt der Experte aus. Spätestens, wenn die Schulen nach der Krise wieder öffnen, werde sich die Laus wieder verbreiten.
sueddeutsche.de
– NICHT MEHR GRÜN –
Michael Moores Abrechnung mit den Ökos. In Michael Moores neuem Film „Planet of the Humans“ kritisiert der Regisseur Umweltschützer, die sich mit dem Kapitalismus arrangiert hätten. So heißt es in dem Film, das Kapital habe „die Kontrolle über die Umweltbewegung übernommen“. Kritisiert werden beispielsweise Solarparks, die mit Gas betrieben werden oder Elektroautos, die mit Strom aus Kohle fahren. Dabei neigt der Dokumentarfilm zur Übertreibung und zur Verbreitung von Halbwahrheiten. Klimaexperten oder Vertreter der Umweltverbände, die der Kritik des Films etwas entgegensetzen könnten, kommen kaum zu Wort. Der Klimawissenschaftler Michael Mann fordert deshalb in einem offenen Brief, den Film zurückzuziehen, weil er auf „Fehlinformationen“ beruhe.
taz.de
