WWF 26. 05.

– NACHRICHTEN –

Leopoldina-Forscher identifizieren Landwirtschaft als größten Artenkiller. Laut der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina trägt die Landwirtschaft eine Hauptschuld am Artensterben. Vor allem der Import von Soja als Futtermittel für die Tierhaltung sei hierzulande ein großes Problem. Damit sei Deutschland für die „Rodung von etwa einer Million Hektar Tropenwald indirekt verantwortlich“. In einem „Zehn-Punkte-Plan zum Schutzder Biodiversität“ fordern die Forscher unter anderem eine Anhebung der Mehrwertsteuer auf Fleisch von derzeit 7 auf 19 Prozent. Möglich sei auch eine zusätzliche CO2-Steuer oder ein Emissionshandel für Milch und Fleisch. Auch müsse die gemeinsame EU-Agrarpolitik neu aufgestellt werden. Die Direktzahlungen an die Landwirtschaft müssten abgeschafft werden. Öffentliche Mittel dürften nur für umweltfreundliche „Bewirtschaftungsformen mit besonderem Fokus auf anspruchsvolle Klima- und Biodiversitätsprogramm“ bereitgestellt werden.
leopoldina.org , topagrar.com

Corona-Effekt im Regenwald / FAO Waldszustandsbericht. Obwohl die globale Corona-Pandeme die weltweite Produktion in großen Teilen zum Erliegen gebracht hat, bekommen die Wälder keine Atempause. Das zeigt ein neuer Bericht des WWF. Demnach hat in fast allen Ländern mit tropischen Regenwäldern die Abholzung im März 2020 stark zugenommen. Durchschnittlich stieg die Waldzerstörung um 150 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. So gingen allein im März 645.000 Hektar Tropenwälder verloren. Die Corona-Krise scheint hier im Gegensatz zu vielen anderen Bereichen einen gegenteiligen Effekt zu haben: „In vielen Ländern hat sich der Staat während des Lockdowns aus dem Waldschutz zurückgezogen, was illegale Holzeinschläge und die Plünderung anderer Ressourcen begünstigt“, sagt Christoph Heinrich, Vorstand Naturschutz beim WWF Deutschland. Am schlimmsten traf es demnach Indonesien mit mehr als 1.300 Quadratkilometern, gefolgt vom Kongo und Brasilien. Vor der Zerstörung der Wälder warnt auch der neue Bericht der UN-Agrarorganisation FAO und des Umweltprogramms der Vereinten Nationen UNEP. Seit 1990 seien rund 420 Millionen Hektar Wald zerstört worden, warnt der Bericht. Das Verschwinden der Wälder würde „erheblich zum fortschreitenden Verlust der biologischen Vielfalt“ beitragen, so FAO-Direktor Qu Dongyu und UNEP-Chefin Inger Andersen. Die EU sei mitverantwortlich an der Waldzerstörung: „Die Europäische Union hat hier eine besondere Verantwortung. Rund ein Sechstel aller bei uns gehandelten Lebensmittel tragen zur Entwaldung in den Tropen bei.“
zeit.de, zdf.de, stern.de

Abwrackprämie: Kommt sie oder kommt sie nicht? Noch wird über die Abwrackprämie für Autos diskutiert. Wirkliche Beschlüsse werden voraussichtlich erst am 2. Juni beim Autogipfel der Bundesregierung und Vertretern der Industrie gefasst. Es verdichten sich allerdings die Zeichen dafür, dass sich die Autoindustrie mit ihren Forderungen durchsetzt. Diese wünscht sich eine Prämie auch für Autos mit einem Ausstoß von maximal 140Gramm Kohlendioxid pro Kilometer, was weit über der EU-Grenze von 95 Gramm liegt. Die Fördersumme käme auf ein Gesamtvolumen von 2,5 Milliarden Euro. Verbraucher könnten für den Kauf eines Neuwagens Prämien von bis zu 4000 Euro erhalten, die von Regierung und Hersteller je zur Hälfte getragen würden. Die Vorschläge ernten von vielen Seiten Kritik. Nicht nur Umweltministerin Svenja Schulze und Finanzminister Olaf Scholz stellen sich gegen die Prämie in dieser Form, auch der Wirtschaftsweise Lars Feld warnt vor dem Kaufanreiz, dessen wirtschaftliclher Nutzen die Verfestigung bestehender Strukturen nicht ausgleichen würde. Auch die Grünen kritisieren die angestrebte Lösung: „Mit öffentlichem Geld fossile Spritschlucker zu fördern, ist weder klimapolitisch noch industriepolitisch verantwortbar“, sagte Anton Hofreiter, Fraktionsvorsitzender der Partei. Zwar müssten Arbeitsplätze erhalten werden, „die Regierung darf dabei aber nicht den notwendigen klimapolitischen Kompass aufgeben“.
berliner-zeitung.de, spiegel.de

EU will mit weniger Pestiziden auskommen. Kürzlich wurde die sogenannte „Farm-to-Fork“-Strategie der EU veröffentlicht. Dies beinhaltet Maßnahmen, um den Einsatz von Pestiziden bis 2030 um die Hälfte zu reduzieren. Um dies zu erreichen, sollen bestehende Bestimmungen geändert und der Einsatz und die Entwicklung alternativer Methoden zur Schädlingsbekämpfung in der Landwirtschaft gefördert werden. Die Strategie soll „den Einsatz und die Risiken für die Menschen, einschließlich unserer Landwirte, und die Umwelt verringern“, so Stella Kyriakides, EU-Kommissarin für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit.Probleme bereitet derzeit jedoch noch die Datenerhebung bei der Analyse des Pestizideinsatzes in der EU. „Wir sind uns alle bewusst, dass wir die Daten und das Wissen über das Ausmaß des Pestizideinsatzes in der EU verbessern müssen“, sagt Kyriakides.
euractiv.de

Brasiliens Umweltminister will Naturschutz im Schatten von Corona aushöhlen reuters.com
Italien: Kostenlose Solaranlagen pv-magazine.de
BGH Urteil Abgasbetrug tagesschau.de
Medikamente im Trinkwasser focus.de
Wie extrem ist „Ende Gelände“? n-tv.de
– KOMMENTAR –

Die Abwrackprämie ist eine Schnapsidee. Der Journalist Martin Seiwert erinnert in der Wirtschaftswoche daran, dass die Abwrackprämie 2009 nicht die Erfolgsgeschichte war, für die sie verkauft wird. Deswegen sei es eine Schnapsidee eine Neuauflage der Finanzspitze für die Autoindustrie umzusetzen. Seiwert sieht nicht nur die ökologischen Probleme, die mit der Autoindustrie verbunden sind, sondern die wirtschaftlichen Schattenseiten: Die Autobranche konnte durch die Abwrackprämie zwar zunächst ihren Neuwagenabsatz steigern und kam aus dem krisenbedingten Tief heraus – allerdings brach der Absatz in den Folgejahren ein. Kunden hatten geplante Anschaffungen lediglich ein wenig vorgezogen – der Absatz normalisierte sich erst 2012. Darüber hinaus waren es nicht die deutschen Automarken wie BMW oder Audi, die von der Abwrackprämie profitierten – die Kunden kauften oft Kleinwagen von Marken wie Toyota oder Hyundai. Der vermeintliche Erfolg der damaligen Abwrackprämie ist laut Seiwert keiner – deswegen sollte sie nicht als Rechtfertigung für eine teure Maßnahme genutzt werden, die zudem Klimaschutzpläne zurückwirft.
wiwo.de

– BUCHTIPP –

„Über Leben “ heißt das neue Buch der Wissenschaftsjournalisten Fritz Habekuss und Dirk Steffens. Sie zeigen, wie in der Natur alles mit allem zusammenhängt und warum der Erhalt der Artenvielfalt überlebensnotwendig für die Menschheit ist. Die Autoren stellen ihr Buch im geichnamigen WWF Podcast vor: „Das große Sterben stoppen.“
ueberleben.podigee.io

– HINTERGRUND –

Weltmeere: Mehr Mikroplastik als Plankton. Forschern aus Großbritannien zufolge könnte die Menge des Mikroplastiks in den Weltmeeren deutlich höher sein, als bisher bekannt war. Um die Menge der winzigen Plastikteilchen zu ermitteln, nutzten die Wissenschaftler erstmals deutlich engmaschigere Netze, die mehr Plastik aufnahmen. „Die Mikroplastikverschmutzung in den Weltmeeren ist bisher deutlich unterschätzt worden“, sagt Pennie Lindeque vom Plymouth Marine Laboratory. Noch dichtere Filternetze könnten noch größere Mengen Mikroplastik einfangen. Der Studie zufolge gibt es an einigen Orten mehr Mikroplastik als Plankton, von dem sich viele Fischarten ernähren. Fische nehmen statt Plankton oft Mikroplastik auf, die beide eine ähnliche Größe aufweisen. So gelangen die Partikel über die Nahrungsketten schlussendlich auf in den Menschen.
spiegel.de

Boden: Da ist der Wurm drin. Weltweit sind rund 3000 Arten des Regenwurms bekannt. Der Bodenökologe Nico Eisenhauer schätzt jedoch, „dass 80 Prozent noch gar nicht entdeckt sind“. Der Ökologe hat zusammen mit 141 Autorinnen und Autoren eine große Studie zum Regenwurm im Wissenschaftsjournal Science veröffentlicht. Diese zeigt unter anderem die weltweite Verteilung der Würmer: Die meisten Arten finden sich nicht wie bei vielen anderen Tieren in der Nähe des Äquators, sondern in Europa, dem Nordosten der USA und in Neuseeland. In Deutschland gibt es mindestens 46 verschiedene Arten. Häufig gesehene Regenwürmer sind beispielsweise der Gemeine Regenwurm, der des öfteren an die Oberfläche kommt oder der Kompost- oder Stinkwurm, der sich am liebsten in Gartenerde oder Kompost aufhält. Neben Würmern, die nur einige Zentimeter unter der Erde leben und solchen, die sich teifer eingraben, gibt es auch Arten, die im Wasser zurechtkommen. Die Tiere leisten einen wichtigen Beitrag für die Landwirtschaft. Durch ihr Essverhalten reichern sie die Böden mit Nährstoffen an. Dank der Gänge, die Würmer permanent graben, erhalten Pflanzen Luft und Wasser. Viele Vögel und Igel ernähren sich außerdem vorzugsweise von Regenwürmern. Wie sehr die Regenwürmer vom allgemeinen Artensterben betroffen sind, ist noch nicht ausreichend belegt. Die Datenlage sei „gruselig“, so Eisenhauer. „Es gibt allerdings Studien, die zeigen, dass es umso weniger Regenwürmer im Boden gibt, je mehr Pestizide und Dünger eingesetzt werden“. Zudem würden die Tiere unter der zunehmenden Trockenheit leiden, da diese über ihre Haut atmen.
sueddeutsche.de

Grünes Kojunkturpaket . Die Corona-Krise soll dafür gentutzt werden, im Rahmen des Konjunkturprogramms der Bundesregierung klimafreundliche Maßnahmen durchzusetzen. Das fordert Umweltministerin Svenja Schulze. Dabei geht es Schulze insbesondere um drei Bereiche: den Verkehrssektor, die Entlastung der Kommunen sowie den Ökostromausbau. Ein Bericht verschiedener Wirtschaftsinstitutionen kommt zu dem Schluss, dass Deutschland hier in den nächsten Jahren noch rund 100 Milliarden Euro investieren müsste. Vor allem die Kommunen spielen beim Klimaschutz für Schulze eine große Rolle. Die entscheidenden Investitionen “ in den Klimaschutz finden in den Kommunen statt, vom ÖPNV über neue Radwege bis hin zur Sanierung von kommunalen Gebäuden“, sagte die Ministerin. Um zu gewährleisten, dass die Kommunen in klimafreundliche Projekte investieren, fordern die Wissenschaftler einen Schutzschirm für kommunale Finanzen und Investitionen, der Steuerausfälle in der Corona-Krise kompensiert und Altschulden übernimmt. Im Energie- und Verkehrsbereich schlägt die Studie eine Förderung des öffentlichen Nahverkehrs sowie eine bessere Ladeinfrastruktur für E-Autos vor. Schulze nannte den Verkehrs-Sektor das „absolute Sorgenkind“.
zeit.de

– FOTO DER WOCHE –

Mindesthaltbarkeit: Zu lang. Einen nahezu unversehrten 30 Jahre alten Yoghurtbecher fand in kroatischer Radfahrer im Meer, was einmal mehr illustriert, wie wie langlebiger Müll die Weltmeere belastet. Foto: PIXSEL/Dusko Jaramaz

– TIERISCH –

Elefanten in Niedersachsen. Im niedersächsischen Schöningen haben Archäologen einen besonderen Fund gemacht: sie haben das 300.000 Jahre alte Skelett eines eurasischen Elefanten gefunden, der einst den Kontinent bewohnte. Das Skelett sei dabei fast komplett erhalten – auch die 2,3 Meter langen Stoßzähne sind in gutem Zustand. Die Experten gehen davon aus, dass das Tier weiblich war und aus Altersgründen gestorben sei – alte eurasische Elefanten hielten sich oft in der Nähe von Gewässern auf, bevor sie starben. Dies sei auch in Schöningen der Fall gewesen.
ndr.de

Hitlers Alligator gestorben Der 84-jährige Alligator Saturn ist im Moskauer Zoo an Altersschwäche gestorben. Damit hat das Tier die durchschnittliche Lebenserwartung stark übertroffen – Alligatoren werden in der Regel 30 bis 50 Jahre alt. Das Tier soll in den USA geboren worden sein und kam während der NS-Zeit in den Berliner Zoo, wo es in der Bombennacht vom 23. November 1943 ausbrach und drei Jahre in Berlin unentdeckt blieb. Es ranken sich Gerüchte, dass der Alligator Hitler gehört haben soll. Nach Ende des Krieges wurde Saturn nach Moskau genommen.
berliner-zeitung.de

– NICHT MEHR GRÜN –

Billigfleisch bei Aldi. Die Preise für Schweinefleisch sind in den vergangenen Wochen merklich eingebrochen. Aldi möchte diese Preisveränderung direkte an die Kunden weitergeben. Der Bundesverbandes der deutschen Fleischwarenindustrie (BVDF) zeigt sich empört. Zwar sei es normal, dass Preise für Wurstwaren entsprechend des Rohstoffpreises verhandelt werden, allerdings seien das geplante Tempo sowie die Signalwirkung an andere Lebensmittelhändler verheerend.
n-tv.de