WWF 27.7

– NACHRICHTEN –

Weniger Müll. Die gute Nachricht lautet: Deutsche entsorgen nur noch halb so viel Restmüll wie Mitte der 80er Jahre! Dies teilte das Bundesumweltministerium (BMU) und das Umweltbundesamt (UBA) bei der Vorstellung ihrer UBA-Studie mit. Dennoch landet zu viel in den falschen Tonnen, wie zum Beispiel der Bioabfall und Wertstoffe. Umweltstaatssekretär, Jochen Flasbarth, lobt die Umweltpolitik der vergangenen Jahrzehnten. Trotz der guten Nachrichten ist Verbesserung möglich. Ziel sei eine echte Kreislaufwirtschaft, in der Rohstoffe wiederverwendet und Restmüll kaum mehr anfallen würden, so Flasbarth. Besonders in den Städten, in denen die Restmülltonnen insgesamt nicht nur voller sind als in Vororten und auf dem Land, würden aber auch mehr fälschlich entsorgte Wertstoffe enthalten. Haushalte sind damit zwar bei der Trennung besser geworden, nicht aber bei der Abfallvermeidung. UBA-Präsident Dirk Messner appelliert daher an mehr Mehrweg statt Einweg und klaren Vorgaben für Einwegprodukte und -verpackungen.
faz.net, evangelisch.de

Die Dürre und der Wald. Die anhaltende Trockenheit macht den Wäldern zu schaffen. Innerhalb der letzten zwei Jahre habe sich die Anzahl der geschädigten und gefällten Bäume versechsfacht, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Besonders Nadelhölzer wie Fichten, Tannen, Douglasien, Kiefern und Lärchen leiden unter den Hitzeperioden. Dies führe dazu, dass die Bäume geschwächt und besonders anfällig für Borkenkäfer und andere Insekten seien, erläutert Bundesamtes in seinem Bericht. Michael Müller, Professor für Waldschutz an der TU Dresden, warnt, dass dies die schwerwiegendste Waldschaden-Situation seit Beginn der geregelten nachhaltigen Waldbetreuung und Waldbewirtschaftung sei. Auch der Anteil von Bäumen mit deutlich lichten Kronen sei im vergangenen Jahr auf 36 Prozent gestiegen.
tagesschau.de

EU setzt auf Plastiksteuer. Ab 2021 wird in den EU-Mitgliedstaaten eine Plastiksteuer eingeführt: für jedes Kilo nicht recycelten Plastik-Verpackungsmülls wird künftig eine Plastiksteuer in Höhe von 80 ct/kg an Brüssel abgeführt. Damit sollen Anreize geschaffen werden, Abfälle zu vermeiden. Die EU selbst darf keine Steuern erheben, weshalb die Mitgliedstaaten berechnen müssen, wie viel recycelt wurde und diesen Betrag entsprechend nach Brüssel überweisen. Mit großer Wahrscheinlich werde diese Aufgabe allerdings an die Hersteller von Verpackungen übertragen, wie Wirtschaftsvertreter annehmen. Claas Oehlmann vom Bundesverband der Deutschen Industrie und Umweltexperte Michael Jedelhauser gehen indes davon aus, dass die Hersteller diese Kosten wiederum an den Verbraucher abwälzen werden. Grundsätzlich geht es in der Plastiksteuer darum, Güter zu schützen und für Haltbarkeit zu sorgen. Jedelhauser hofft, dass Hersteller die Recyclingfähigkeit bedenken und nicht auf andere Materialien umsteigen, die man eventuell nicht wiederverwendet kann. Man hoffe vor allem auf eine Lenkungswirkung in der Industrie, mehr Recyclinganlagen zu bauen.
mdr.de

Undichte Leitung bei Shell – Öl sickert ins Grundwasser. Durch eine kaputte Leitung bei einer Shell-Raffinerie in Köln-Godorf ist eine nicht unerhebliche Menge an Öl aus der Leitung getreten und ins Grundwasser gesickert: knapp 390 Tonnen Öl, das ca. 450.000 Liter entspricht. Eigene Messungen und Bodenproben von Shell ergaben, dass der verunreinigte Bereich eindeutig auf das Werksgelände beschränkt sei. Das Unternehmen vermutet, dass aufgrund „unsachgemäße Straßenarbeiten“ die Leitung beschädigt wurde und eine Korrosion verursachte. Das etwa etwa 1,5 Millimeter kleine ist groß genug, um der Umwelt nachhaltig zu schaden. Umweltverbände werfen dem Unternehmen Vernachlässigung der Sicherheitskontrollen an den Leitungen der Raffinerie vor. Für den Gewässerschutzexperte Paul Kröfges vom Umweltverband BUND ist der Vorfall eine Totalblamage sowohl für Shell als auch für die Bezirksregierung Köln, der zuständigen Überwachungsbehörde. Auch Grünen-Fraktionschef Elmar Gillet im angrenzenden Rhein-Erft-Kreis äußert Kritik. Die Bußgelder für Konzerne scheinen nicht hoch genug zu sein, um dass eigenverantwortlich gegen derartige Umweltverschmutzungen vorgesorgt werde. Immer wieder kam es bei Shell zum Austritt chemischer Produkte, wie in den Jahren 2012 und 2014, in denen es zu einer ganzen Serie von Chemie-Unfälle kam.
energiezukunft.eu

„Born to be loud“- Bundesrat will Motorradlärm reduzieren. Im Mai beschloss der Bundesrat einen zehn-Punkte-Plan zur Verringerung des Motorradlärms. Dies würde zu einem Umbruch in der Motorradbranche führen, denn Strafen für illegale und manipulierte Auspuffe würden erhöht, vom Fahrer einstellbare Soundkulissen würden verboten und Fahrverbote an Sonn- und Feiertagen könnten einfacher verhängt werden. Motorradfahrer kritisieren die Pläne und organisieren deutschlandweit Protestfahrten. TÜV-Experte Eggers erklärt, dass in Expertengremien viele Industrievertreter säßen, die den Ton weiterhin angeben. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer positioniert sich ganz klar gegen zusätzliche Verschärfungen und Verbote für Motorradfahrer. Es bleibt abzuwarten, ob die Bundesregierungen den Forderungen nachkommen wird.
zeit.de

Ganz unten: Plastik sinkt in große Wassertiefen faz.net
Vietnam verbietet Wildtierhandel deutschlandfunk.de
BMW knüpft Vorstandgehälter an Klimaziele spiegel.de
Greenpeace versenkt Steine in der Ostsee spiegel.de

– ZAHL DER WOCHE –

Drei Milliarden Tiere sind den Waldbränden in Australien zum Opfer gefallen
nzz.ch

– KOMMENTAR –

Kommentar Summary. Text
link.de

– ZITAT DER WOCHE –

Ich meine, das Auto ist ein nützliches Hilfsmittel, aber keine Heilige Kuh, und die Wachstumsrate der Automobilindustrie ist es nicht wert, ihr die Zukunft unserer Städte zu opfern.“
Hans-Jochen Vogel, 1971

– PODCAST – 

Goldrausch am Amazonas
ueberleben.podigee.io

– HINTERGRUND –

Szenario für die Plastikwende. Die Menge an Plastikmüll weltweit steigt: in Ozean, Seen, Flüssen selbst in Menschen und Tieren ist er nachweisbar. Forscher haben deshalb in einer umfassenden Studie berechnet, wie man den weltweiten Plastikmüll in den kommenden zwei Jahrzehnten um fast 80 Prozent reduzieren kann.  Die Devise lautet: Einsammeln und entsorgen, recycling und verringern. Dennoch würden bis zum Jahr 2040 weiterhin 710 Millionen Tonnen Plastik in der Umwelt landen: 460 Millionen Tonnen an Land und 250 Millionen Tonnen in Gewässern. Auch die Politik hat begriffen, dass Maßnahmen verschärft werden müssen. So wird ab 2021 ein geltendes EU-Herstellungsverbot für Einwegplastik umgesetzt. Die Umsetzung aller Maßnahmen könnte den Kunststoffmüll bis 2040 demnach um 78 Prozent verringern. Meeresbiologin Melanie Bergmann vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung betont dennoch, dass Eile geboten sei. Würden die Maßnahmen um fünf Jahre verschoben, gelangen noch immer 22 Prozent der klimaschädlichen Emissionen in die Umwelt. Ed Cook von der Universität Leeds und Co Autor der Studie betont jedoch, dass die vorgeschlagenen Ansätze vor allem politischen, gesellschaftlichen und unternehmerischen Willen erfordern.
berliner-zeitung.de

Auf den Grund gegangen: Methanleck in der Antarktis. Wissenschaftler haben das erste aktive Ausströmen von Methan aus dem Meeresboden in der Antarktis aufgedeckt. Es könnte zu steigender Wassertemperatur führen. 2011 entdeckten Taucher zufällig das Leck in einer Bucht im Rossmeer. Erst ab 2016 konnte es wissenschaftlich erforscht werden.  Zerfallende Algenablagerungen, die unter Sedimenten vergraben und Tausende Jahre alt sind, könnten die Ursache darstellen.  In der Zeitschrift „Proceedings of the Royal Society B“ haben die Forscher ihren Befund vorgelegt und zeichnen ein düsteres Bild der möglichen Folgen: das klimaschädliche Gas könnte durch das Leck seit Jahren in die Atmosphäre gelangt sein. Besorgt zeigen sich die Wissenschaftler, da das Methan weitläufig freigesetzt werden könnte, wenn die Klimakrise die Wassertemperaturen steigen lässt. Studienleiter Andrew Thurber von der Oregon State University schlägt Alarm, da der Methankreislauf etwas sei, worüber sich die Gesellschaft Sorgen machen müsse. Bei Klimaforscherinnen und -forschern gilt die Freisetzung aus gefrorenen Unterwasserspeichern oder Permafrostgebieten als ein sog. Tipping Point, dessen Folgen für die Klimakrise nicht aufzuhalten seien.
orf.at

Moral im Supermarktregal. Der Lebensmitteleinzelhandel setzt mittlerweile auf eine Vorwarts-Strategie in Sachen Ethik. So werde Lebensmittelvollsortimenter Kaufland bis Ende kommenden Jahres das komplette  Eier-Sortiment auf Bio umstellen, Penny verdoppelte sein Spenden an die Tafeln und Rewe stellte ebenfalls ein überarbeitetes Nachhaltigkeitslabel vor. Auf die Politik warten sie nicht mehr. Jüngere Verbrauchen lassen Deutschlands Handelsketten auch keine andere Wahl, als ihre ethische Verantwortung endlich ernst zu nehmen. Einkaufen wird zum moralischen Akt: nach einer Erhebung des Allensbach-Instituts ist einem Drittel der Bevölkerung puncto Nachhaltigkeit beim Einkaufen von besonderer Bedeutung. Übernehmen Firmen freiwillig gesellschaftliche, soziale oder ökologische Verantwortung, wird dies als ‚Corporate Social Responsiblity‘ (CSR) bezeichnet. Und ebenfalls in den Chefetagen ist dies zum wichtigen Bestandteil geworden: der Verzicht auf CSR könne die Wettbewerbsfähigkeit untergraben wie Ethik-Experten erklären.
welt.de

Tote Flüsse: Fische auf dem Rückzug. Laut eines Berichts der World Fish Migration Foundation, der Zoologischen Gesellschaft London und der Umweltstiftung WWF seien zahlreiche Bestände wandernder Süßwasserfischarten stark zurückgegangen. In Europa liege der Rückgang bei 93 Prozent. Wandernde Fische sind darauf angewiesen weite Strecken in Flüssen zum Laichen zurückzulegen. Die Verbaung von Flüssen seien hauptsächlich für den drastischen Rückgang verantwortlich. WWF-Süßwasserexperte Philipp Wagnitz erklärt, dass allein eine Million Barrieren Europas Flüsse am freien Fließen verhindern.
diepresse.com

– FOTO DER WOCHE –

Finnwal ohne Schwanz
fr.de

– TIERISCH –

Ein Klo für Kühe. Wissenschaftler des Leibnitz-Instituts für Nutztierbiologie (FBN) haben Kühen beigebracht auf die Toilette zu gehen. Üblicherweise hinterlassen die Tiere ihren Urin und Kot überall dort, wo sie sich gerade aufhalten. Dies jedoch habe negative Folgen für die Umwelt und die Tiere selbst, wie Dr. Jan Langbein vom FBN erklärt. Landet Harn auf Kot, werde Ammoniak als Treibhausgas in die Atmosphäre freigesetzt. Mit einer Kuhtoilette könnte man die Ammoniak-Emissionen aus der Rinderhaltung reduzieren. Inwiefern die Kuhtoilette praxistauglich ist, muss erst noch geklärt werden: Wie würden sich die Tiere bei einer kombinierten Stall- und Weidehaltung verhalten, wie hoch ist der Personalaufwand und wie lange dauert der Lernprozess?
agrarheute.com

– NICHT MEHR GRÜN –

Ratten in Schlachthöfen. Die Missstände in den Tönnies-Schlachthöfen nehmen kein Ende: Nun wurde bekannt, dass seit Monaten in einem Kühlhaus in Niedersachsen Fleisch gelagert wurde, in dem Ratten hausten. Nach einer Routinekontrolle des Veterinärdienstes im Juni seien Kotpillen, Laufwege, Fellreste und Anzeichen für Nestbau gefunden worden.
morgenpost.de