– NACHRICHTEN –
Der grüne 100-Milliarden Deal. Am Dienstag soll in Brüssel der europäische Green Deal vorgestellt werden. Die Europäische Kommission möchte damit vor allem Polen, das sich als einziges Land der EU gegen das Ziel der Klimaneutralität bis 2050 stellt, umstimmen. Der Plan beinhaltet einen EU-Topf mit einem Volumen von 100 Milliarden Euro. Das Geld soll vor allem in Regionen gehen, die vom Übergang zu klimafreundlicher Energiegewinnung besondern betroffen sind. Dazu gehören Regionen in Polen, der Tschechischen Republik, Bulgarien und Rumänien. Auch Braunkohle-Regionen in Deutschland, darunter die Lausitz, sollen von der Förderung profitieren können. Der 100-Milliarden-Fonds ist Teil eines groß angelegten Investitionsplans, der mindestens 1 Billion Euro aus öffentlichen und privaten Geldern umfassen soll. EU-Kommission Vizepräsident Valdis Dombrovski will 25 Prozent des EU-Budgets dem Klimawandel widmen. 30 Prozent aller EU-Investitionsförderprogramme im Rahmen von EU Invest sollen für klimabezogene Ziele reserviert werden.
welt.de
Von kandierten Käfern und verlöschenden Glühwürmchen: BUND und Heinrich-Böll-Stiftung legen Insektenatlas vor. Die Heinrich-Böll-Stiftung, der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) und Le monde diplomatique haben den neuen Insektenatlas veröffentlicht. Er widmet sich unter anderem dem von vielen Forschern befürchteten Insektensterben. Das Problem bei der Theorie des Insektensterbens ist, dass auch heute noch ein Großteil der Insektenarten unerforscht bleibt. In Europa und den USA sei der Rückgang zwar gut erforscht, für Südamerika, Afrika und Asien treffe dies laut Atlas jedoch nicht zu. Trotzdem geben die Autoren keine Entwarnung: Gerade in der Landwirtschaft müsse einiges getan werden, um die Biodiversität zu erhalten und nicht nur ökologische sondern auch wirtschaftliche Schäden abzuwenden.
zdf.de
Die Linke und das Klima. Was Klimaschutzthemen angeht, zeigt sich die Linke oft gespalten. Nun will die Partei bei ihrer Fraktionsklausur am Donnerstag über den „Aktionsplan Klimagerechtigkeit“ reden. Der Aktionsplan wurde unter anderem von Klimapolitiker Lorenz Gösta Beutin entworfen und enthält Forderungen wie ein „Verbot von Kurzstreckenflügen zu Orten, die in 5 Stunden mit der Bahn zu erreichen sind“ sowie den schrittweisen Übergang zu kostenlosem Nahverkehr. Wirtschaftspolitiker der Partei wie Klaus Ernst lehnen viele der Vorschläge ab. Sie befürchten den Wegfall wichtiger Arbeitsplätze beispielsweise in der Autoindustrie. Klare Mehrheitsverhältnisse bei der Abstimmung sind noch nicht absehbar. Auch die Fraktionsführung will sich nicht klar festlegen.
taz.de
E-Scooter: die Halbjahresbilanz. Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) zog am Donnerstag eine Bilanz zur Nutzung von E-Rollern. Dort kam es seit ihrer Einführung zu 116 Unfällen mit schweren Personen- oder Sachschäden, für die in 87 Prozent der Fälle die Fahrer der E-Scooter verantwortlich gewesen seien. Zu Anfang versprachen Politiker sich noch eine moderne und umweltfreundlichere Mobilität in den Städten. Die öffentliche Meinung wendete sich jedoch gegen die E-Scooter. Eine Umfrage des Hamburger Abendblattes ergab, dass sich 62 Prozent der Bürger ein komplettes Verbot der Roller in ihrer Stadt wünschen würden.
welt.de
Siemens: Es geht um Kohle. Siemens will weiterhin ein umstrittenes Kohlebergwerk in Australien beliefern. Das teilte Konzernchef Joe Kaeser auf Twitter mit. Das Bergwerk im Nordosten Australien soll weltweit eines der größten seiner Art werden und bis zu 60 Millionen Tonnen Kohle pro Jahr fördern. Luise Neubauer von Fridays for Future, die erst kürzlich einen Sitz im Aufsichtsrat von Siemens ablehnte, kritiserte die Entscheidung. Das Klimaziel der Begrenzung der Erderwärmung auf unter zwei Grad werde damit gefährdet.
spiegel.de
Robin Wood legt Ökostromreport vor robinwood.de
Fashion Week: Renate Künast über Mode und Nachhaltigkeit bz-berlin.de
Kanada: Falscher Atom-Alarm n-tv.de
Eberhard Brandes: Warnung vor weltweiten Klimakatastrophen berliner-zeitung.de
– ZAHL DER WOCHE –
80 Prozent der Deutschen wollen laut einer Studie der Europäischen Investitionsbank aus Klimaschutzgründen weniger fliegen.
n-tv.de
– KOMMENTAR –
Autraliens Klima-Selbstmord. In einem Beitrag für die New York Times nennt Richard Flanagan die Politik von Australiens Premier Scott Morrison einen Weg in den „Klima-Selbstmord“. Die Buschbrände seien ein Art Ground Zero Australiens. Die unglaubliche Antwort der Führung auf diese beispiellose nationale Krise sei nicht die Verteidigung ihres Landes, sondern die Verteidigung der Industrie für fossile Brennstoffe, ein großer Geldgeber für beide großen Parteien. Seit 1996 hätten alle australischen Regierungen dafür gekämpft, internationale Vereinbarungen über den Klimawandel zu untergraben. Das habe dazu geführt, dass das Land als weltgrößte Exporteur von Kohle und Gas in einem internationalen Klimaschutzranking auf Platz 57 von 57 Ländern gelandet sei.
nytimes.com
– ZITAT DER WOCHE –
„Entweder muss man das Wachstum begrenzen – oder neue Planeten finden.“
Jürgen Zimmerer, Historiker und Leiter des Projektverbunds „Hamburgs (post-)koloniales Erbe“
sueddeutsche.de
– PODCAST oder EVENT-TIPP –
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link.de
– HINTERGRUND –
40 Jahre Grüne. Vor 40 Jahren wurden die Grünen gegründet, die sich heute beachtlicher Wahlerfolge erfreuen können. Im Osten Deutschlands hatte es die Partei jedoch oft schwer. Die dortige grüne Bewegung sah im Gegensatz zu den West-Grünen beispielsweise die Atomkraft lange als einen sauberen Weg der Energiegewinnung. Während die Partei nach der Wiedervereinigung im Westen Schritt für Schritt Fuß fassen konnte, dauerte dies im Osten deutlich länger. Heute sind die Grünen auch in den neuen Bundesländern in einigen Landtagen vertreten. Trotzdem sei die Partei laut Politologe Wolfgang Merkel keine Volkspartei. Sie richte sich stattdessen vor allem an Menschen mit höherem Bildungsgrad. Die Partei schaffe es, zukunftsfähige Themen anzusprechen und sei mit jungen, glaubwürdigen Gesichtern besetzt. Sie dürfe jedoch nicht den Fehler zu machen, sich nur auf das Thema Klima zu konzentrieren und damit eine Ein-Punkt-Partei zu werden.
sueddeutsche.de, berliner-zeitung.de
Naturschutzgebiete: Das grüne Erbe der DDR. Als letzter Beschluss in der letzten Sitzung der untergehenden DDR-Regierung wurden 4882 Quadratkilometer des Landes unter Naturschutz gestellt. So wurden allein in Brandenburg 42 Prozent des Landes zu geschützten Biotopen. Diese Leistung ist hauptsächlich Michael Succow, dem damaligen, erst kurz zuvor ernannten Vize-Umweltminister der DDR zu verdanken. Das Konzept der geschützten Biosphärenreservate hatte nach der Wende auch Einfluss auf Westdeutschland, dort gab es diese bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Inzwischen kann der Osten neun Reservate vorweisen, der Westen acht. Succow erhielt für sein Engagement 1997 den alternativen Nobelpreis und gründete mit dem Preisgeld die Michael-Succow-Stiftung die sich für Umweltprojekte in Deutschland und anderen Ländern einsetzt.
berliner-zeitung.de
Agrarwende für zehn Euro. Eine Studie des Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS), die von Greenpeace in Auftrag gegeben wurde, schlägt eine Steuerreform vor, die pflanzliche Produkte günstiger und Fleisch teurer machen würde. So soll die Landwirtschaft ihre Klimabilanz verbessern, ohne die wirtschaftliche Grundlage der Landwirte zu schwächen. Dank einer sogenannten Tierwohlabgabe von 50 Cent pro Kilogramm Fleisch und der Abschaffung der Subventionen auf Fleisch und Milch soll den Ausstoß von Klimagasen aus der Landwirtschaft um rund 8,8 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr senken. Gleichzeitig fordern die Experten eine Senkung der Mehrwertsteuer auf pflanzliche Lebensmittel. Das Modell würde laut dem FÖS auch die Konsumenten nicht zu sehr belasten. Bei Haushalten, die wenig Fleisch konsumierten, könnten die Ausgaben sogar sinken.
spiegel.de
– FOTO DER WOCHE –
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link.de
– TIERISCH –
Sexprotz im Panzer: Riesenschildkröte rettet seine Art. Die Riesenschildkröte „Diego“ ist fast allein dafür verantwortlich, seine Spezies vor dem Aussterben auf der Insel Espanola gerettet zu haben. Die 100-jährige Schildkröte kam aus dem San Diego Zoo als Teil eines Zuchtprogramms zu den Galapagos-Inseln und trug dazu bei, den Bestand der Tiere auf der Insel von 14 auf über 2000 zu steigern. Der Direktor des Galapagos National Park geht davon aus, dass Diegos Nachkommen bis zu 40 Prozent des neuen Bestands ausmachen.
edition.cnn.com
– NICHT MEHR GRÜN –
Peitschenhiebe gegen Wilderer? Die Provinz Aceh in Indonesien plant, die Scharia gegen Wilderer einzusetzen, um so das Sumatra-Nashorn zu schützen. Sollte das Gesetz angewandt werden, könnte Wilderern neben einer Gefängnis- oder Geldstrafe auch bis zu 100 Peitschenhiebe drohen. In der Region lebt die letzte überlebensfähige Nashorn-Population dieser Art. Die halbautonome Provinz ist die einzige in Indonesien, in der die Scharia angewandt werden darf. In der Vergangenheit wurde sie heftig kritisiert für die Verhängung schwerer Strafen unter anderem gegen Homosexuelle.
news.mongabay.com