WWF 14.04.

– NACHRICHTEN –

Patient Wald: Geschwächt durch Hitze, Dürre und Käfer. Der Klimawandel führt zu irreparablen Schäden in den deutschen Wäldern. Dem Waldzustandsbericht der Bundesregierung zufolge sind bereits 180.000 Hektar Wald abgestorben. Die Gründe dafür sind vielfältig, hängen jedoch mit dem Klimawandel zusammen: insbesondere in den vergangenen fünf Jahren habe die Dürre und Hitze den Wäldern stark zu schaffen gemacht. Der Wassermangel macht die Bäume zur leichten Beute von Borkenkäfern. Schädlinge haben eine höhere Überlebenswahrscheinlichkeit, wenn die Winter mild sind. Der Zustand der deutschen Wälder sei der schlechteste seit dem Beginn der jährlichen Erhebung 1984. Auch für das laufende Jahr sei die Prognose schlecht. Laut Waldforscherin Nicole Wellbrock vom Thünen-Institut könne lediglich ein gezielter Klimaschutz die katastrophale Lage in den Wäldern abfedern.
zeit.de

Agora schlägt 100-Milliarden-Programm vor. 100 Milliarden für eine grüne Wirtschaft – dies fordert der Thinktank „Agora Energiewende“. Um Energieversorgung, Industrie, Verkehr, Gebäude und Infrastruktur nach der Coronakrise zu stärken, werden Investitionen notwendig sein, erklären die Agora-Experten. Diese Investitionen sollten gezielt für eine nachhaltige Wirtschaftsordnung eingesetzt werden. Der Vorschlag beinhaltet die Förderung von CO2-effizienten Technologien mit 15 Milliarden sowie 15 Milliarden für die Verkehrswende. Die Klimaneutralität für das Jahr 2050 dürfe in der gegenwärtigen Krise nicht vergessen werden.
taz.de

Kaufprämie für Autos. Aus Politik und Wirtschaft werden Rufe nach einer Kaufprämie für Autos. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil erklärte zur Idee: „Vor allem der Umstieg auf umweltfreundliche Antriebe kann damit wesentlich beschleunigt und die Automobilindustrie im Strukturwandel unterstützt werden“. Zuvor betonte auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, dass eine solche Finanzspritze der Verkehrswende zugute kommen würde. Kritisiert wird die Idee vom Grünen-Politiker Oliver Krischer – eine Autoprämie wäre lediglich seiner Auffassung nach lediglich ein Strohfeuer und die Abwrackprämie von 2009 sei überhaupt der Grund dafür weshalb Deutschland bei klimaschonenden Antrieben noch nicht weiter sei. Die Produktion bei den deutschen Autobauern steht gegenwärtig still – die Nachfrage ist infolge des Coronavirus eingebrochen.
manager-magazin.de

CDU-Wirtschaftsrat will Klimaziele kippen. Um die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise abzufedern, fordert der CDU-Wirtschaftsrat die zeitliche Streckung der Klimaschutzmaßnahmen. Nach der Pandemie müssten die wirtschaftlichen Belastungen auf die Unternehmen auf den Prüfstand – der Wirtschaftsrat befürchtet eine Deindustrialisierung, wenn keine wirtschaftsfreundlichen Maßnahmen ergriffen würden. Unions-Fraktionsvize Andreas Jung (CDU) widerspricht seinen Parteifreunden. Beim Klimapaket dürfe es keine Abstriche geben, sondern man müsse konsequent darauf aufbauen. De-Industrialisierung drohe nicht wegen der Klimapolitik, sondern wenn Zeichen der Zeit verschlafen werden. Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) sieht das ähnlich. Sie will strikt an den Klimazielen festhalten, um die wirtschaftliche Transformation ressourcenschonend zu fördern. In der Wirtschaft hält man einen Kompromiss für möglich. BMW-Chef Oliver Zipse sieht eine Chance durch strategische Investitionen sowohl den Klimaschutz, als auch den wirtschaftlichen Wiederaufbau zu fördern.
n-tv.de, rnd.de

Tierschutzlabel: Kaum Bewegung an der Fleischtheke. Die großen Ketten Rewe, Edeka, Aldi und Lidl geben seit vergangenem Jahr mit einem Logo Auskunft über die Bedingungen, unter denen die Tiere in der Fleischindustrie gehalten werden. Die erste Bilanz zum Tierwohl-Labels fällt ernüchternd aus. Offenbar hat es kaum zu Veränderungen beim Konsumverhalten geführt. Das Bewusstsein der Konsumenten sei zwar gestiegen, allerdings könne man keinen deutlichen Unterschied an der Kasse merken: für die Verbraucher ist der Preis das entscheidende Kriterium bei ihrer Kaufentscheidung – dabei führt die schlechteste Haltungsform zum billigsten Endpreis. Gegenwärtig kommen 90 Prozent des Rindfleisches und 80 Prozent des Schweinefleisches noch aus der Haltungsstufe 1 – der konventionellen Stallhaltung. Lediglich bei Geflügel gibt es einen kleinen Lichtblick: 85 Prozent des Fleisches kommt aus der Haltungsstufe 2 – „Stallhaltung+“, bei der die Tiere 10% mehr Platz als vorgeschrieben haben. Tierwohl-Geschäftsführer Alexander Hinrichs fordert, dass die Händler die Produkte der Haltungsstufen 1 und 2 auslisten, um eine tatsächliche Veränderung zu erwirken.
badische-zeitung.de

Great Barrier Reef: Erneutes Korallensterben spiegel.de
Trump setzt Umweltgesetze aus klimareporter.de
Brasilien: Die Furcht der Indigenen vor der Seuche zdf.de

– ZAHL DER WOCHE –

180.000 Hektar Wald sind in Deutschland bereits abgestorben. Zu diesem Ergebnis kommt der Waldzustandsbericht der Bundesregierung. Besonders betroffen sind Fichten.
welt.de

– ZITAT DER WOCHE –

Wir müssen bei den getroffenen Weichenstellungen bleiben, insbesondere der Green Deal der EU-Kommission sollte weiterverfolgt werden.
Paläoklimatologe Gerald Haug bei der Vorstellung der Stellungnahme der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina zu den Schutzmaßnahmen zur Corona Epidemie.
spiegel.de

– PODCAST oder EVENT-TIPP –

Der neue WWF-„Überleben“-Podcast. Diese Woche: Corona – Auf der Spur des Virus
ueberleben.podigee.io

– HINTERGRUND –

Regenwürmer als Klimaschützer. Regenwürmer leisten einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz. Die kleinen Tiere tragen zur Nährstoff- und Humusbildung in den Böden bei und liefern damit die Grundlage für Grasland. Dieses wiederum kann 100 Tonnen CO2 pro Hektar speichern, welches von den Würmern erneut umgewandelt wird. Die Böden leiden allerdings durch übermäßige Gülle und chemische Dünger – auf Äckern sind daher lediglich 10 bis 50 Prozent der normalen Menge an Regenwürmern zu finden. Der Trend kann durch Kompostieren und geringere Oberflächenversieglung abgefedert werden. Wesentlich ist dabei jedoch, dass der Klimawandel mitgedacht wird. Wenn Böden durch Hitze und Trockenheit erodieren, können sie weniger Feuchtigkeit speichern – die Bodenqualität würde maßgeblich nachlassen.
mdr.de

Divestment: Vom Ergrünen der Fonds. Klimaschützer wollen Investoren davon überzeugen, ihre Aktien aus klimaschädlichen Industrien und Unternehmen abzustoßen – das Abziehen der Wertanlagen bezeichnen man als Divestment. Auf diese Weise sollen Unternehmen, die fossile Ressourcen fördern, weniger Geld zur Verfügung haben, was sie zu einer Drosselung der Förderkapazitäten drängen soll. Ein Erfolg der Divestment-Aktivisten ist, dass sie die Universität Harvard davon überzeugten ihr Portfolio zu verändern und Investitionen in Kohle- und Erdölunternehmen abzuziehen. Auch der norwegische Pensionsfonds hat bereits begonnen klimaschädliche Investitionen abzustoßen. Die fossilen Energieträger sind gegenwärtig zwar noch sehr profitabel – bei sechs der zehn umsatzstärksten Konzerne handelt es sich um Ölunternehmen -, allerdings ist die Zukunft unsicher. Experten prognostizieren, dass die Branche der fossilen Energieträger in einem Jahrzehnt zum Erliegen kommen könnte – für Investoren werden grüne Aktien langfristig attraktiv.
derstandard.at

Afrikas grüne Mauer. 21 Länder der Sahelzone machen bei einem Projekt mit, einen Savannenwald zu kultivieren. Seit 2008 wurden bereits 20 Millionen Setzlinge der Schirmakazie herangezogen. Eine „grüne Mauer“ soll auf dem afrikanischen Kontinent entstehen – in einer Region, in der es im gesamten Jahr so viel regnet wie in Deutschland in einem Quartal. Durch die Bäume verbessert sich die Bodenqualität, da sie die wenige Feuchtigkeit gut speichern und die Ernteerträge für die Bewohner der Region steigern sich dadurch. Der Savannenwald muss jedoch vor gewalttätigen Regimen und Ausschreitungen geschützt werden – es besteht die Gefahr, dass bestimmte Gruppierungen das Projekt zerstören. Glücklicherweise durchlaufe die grüne Mauer Gegenden, die gegenwärtig friedlich sind.
t-online.de

– FOTO DER WOCHE –

Foto: Arief Budi Kusuma / shutterstock

Ein Pangolin auf einem Wildtiermarkt. Solche Märkte gelten als Brutstätte für Epidemien, weil hier auf engstem Raum unterschiedlichste Arten auf engstem Raum unter katastrophalen hygienischen Bedingungen zusammengepfercht werden. Rettet den Regenwald startet Petition zur Schließung solcher Märkte.
rainforest-rescue.org

– TIERISCH –

Quarantäne bringt Wildtiere zurück in die Städte. Pumas streifen durch Santiago de Chile, Wildschweine flanieren auf Barcelonas Straßen, Pfauen wurden in Madrid gesichtet – Wildtiere finden ihren Weg immer häufiger in die Städte der Welt. Experten sehen einen Zusammenhang mit der Coronakrise – die weitläufigen Ausgangssperren vielerorts führen zu einer ruhigen und sicheren Umgebung für die Tiere. Auch für die Europäischen Wildkatze und diverse Raubvögel könnte sich die Quarantäne der Menschen positiv auswirken, da es beispielsweise auch keine Bergsteiger gibt, die die Tiere in ihren natürlichen Lebensräumen erschrecken.
rundschau-online.de

– NICHT MEHR GRÜN –

Wilderer nutzen Quarantäne aus. Ein Elefant und mehrere vom Aussterben bedrohte Krokodile sollen in Nepal Wilderern zum Opfer gefallen sein. Die Wilderer nutzen den Fokus der Behörden auf die Corona-Pandemie aus und begeben sich in die geschützten Naturparks. Bei einem Zusammentreffen von Wilderern und Parkhütern soll ein Wilderer getötet und ein Ranger verletzt worden sein.
berliner-zeitung.de